Lektüre-Impressionen

Ein im positiven Sinne «gewohnter Blom»: sehr gut recherchiert, faszinierend geschrieben mit sehr vielen spannenden Seitensträngen. Was eine Geige so alles erzählen kann! Auch wenn das Rätsel um die Herkunft der Geige nicht vollumfänglich gelöst werden kann, wir kommen mit Hilfe des Erzählers sehr nahe an eine (mögliche) Wirklichkeit. Und wir erfahren sehr viel über vergangene Zeiten.

Ein Muss für jede Musikliebhaberin!

Siehe auch meine Rezension für die Zeitschrift «Glareana» der Schweizerischen Gesellschaft der Freunde alter Musikinstrumente (Heft 2, 2019, S. 67-70) (http://www.gefam.ch/de/glareana_de/)

Zur Rezension: langner - philipp blom

Wer sich mit der Intelligenzforschung etwas auskennt, hat schon davon gehört, dass Kraken eine hohe Intelligenz haben sollen. Wer daran noch zweifelt, wird durch dieses Buch eines Besseren belehrt. Nachdem die intelligenten Rabenvögel uns mit ihrem anders strukturierten Gehirn schon Konkurrenz in Bezug auf unsere «einzigartige» Intelligenz machten, wird es noch gravierender durch Lebewesen, die im eigentlichen gar kein (zentrales) Gehirn haben, sondern neuronale Netzwerke in den Tentakeln! Und trotzdem sind sie zu grossen Leistungen fähig!

Daneben ein Buch für den Schutz der Ozeane, des Lebensraumes (nicht nur) der Kraken.

Eine Wissenschaftlerin schreibt ein recht verständliches Buch – eine gewisse Seltenheit im deutschsprachigen Wissenschaftsraum!

Wir wissen es ja eigentlich alle, aber es kann nicht genug wiederholt werden: Bewegung ist für uns Balsam (nicht nur für das Gehirn im Alter).

Es handelt sich bei diesem Buch um die prägnante Zusammenfassung der verschiedensten neueren Ansätze zur Bewegungsforschung. Und die Autorin versteht es, mit klaren Grafiken und gutem Text uns diese Erkenntnisse nahezubringen. Nach der Lektüre gibt es nur eines: Bewegung!

Ein Buch, dem man wünschen würde, es wäre überflüssig. Aber es ist es nicht. Leider reiht es sich ebenfalls in die Bücher zur Bildungsmisere ein, die unsere Bildungspolitiker nicht lesen. Dabei zeigt der Autor präzise auf, wo der "Bildungsschuh" schon lange drückt, nicht erst seit den grossen Migrationsbewegungen.

Nach der Lektüre fragt man sich: Wie lange kann es sich unsere Gesellschaft noch leisten, eine derart grosse Bildungsungerechtigkeit zuzulassen?

Zu Beginn ist das Buch etwas spröde, aber in der zweiten Hälfte mehren sich konkrete Änderungsvorschläge. Deshalb hoch interessant!

Zum Beethovenjahr erscheinen ja viele Bücher, dieses hier ist aber etwas Spezielles: Die Besonderheit Beethovens wird ausschliesslich anhand seiner Sinfonien deutlich gemacht. Die Einführung zum Buch ist knapp, aber sehr informativ – Beethoven ist einer derjenigen, die in den Sinfonien (bis auf seine letzte) ohne Gesang auskommen, etwas das zu dieser Zeit für Hörer noch recht ungewohnt ist.

Der Hauptteil des Buches dann eine Darstellung und Interpretation der einzelnen Sinfonien mit ihren extremen Unterschieden, aber auch mit vielen Bezügen. Notenlesende finden dann Themenbeispiele, die den Zugang erleichtern. Der Titel ist gerechtfertigt!

Ein absolut faszinierendes Buch, von einem Linguisten, der es versteht, verständlich zu schreiben! Und zu welchem umfassenden Thema! Häufig beschränken sich Bücher zur Sprachentwicklung und -wandel ja auf unsere europäischen Sprachen, also die indoeuropäische Sprachenfamilie. Aber hier schreibt jemand, der profunde Kenntnisse über Sprachen ausserhalb unseres üblichen Horizonts hat: semitische Sprachen, Maori, australische Sprachen der Aborigines. 

Wie verläuft denn der Sprachwandel? Entwickeln sich unsere Sprachen (z.B. das Deutsche) tatsächlich immer in Richtung des Schlechten? Eben nicht!

Am Beispiel der semitischen Sprachen mit ihren Besonderheiten der konsonantischen Wurzeln zeigt Deutscher (einfache) Grundprinzipien des Sprachwandels. Und es ist schlicht genial, wie er mit Beispielen des Deutschen die Entwicklungen der semitischen Sprachen belegt!

Ein Buch eben nicht nur für Linguisten/innen - man kann ihm nur möglichst viele Lesende wünschen!

Je stärker sich die Bildungspolitik auf formalisierte Kompetenzbeschreibungen konzentriert und somit bisherige Bewertungskriterien am liebsten auf dem Müllhaufen der Geschichte verbannen würde, desto mehr nehmen Publikationen von Fachleuten zu, die genau dies zu Recht kritisieren. Nachdem schon Hans-Peter Klein (s.u.) das Kompetenzgeschwafel und seine Folgen gegeisselt hat, nimmt sich nun der Philosoph Christoph Türcke des Themas an. Vielleicht ist der Titel in Anlehnung an die "Götterdämmerung" gedacht. Wie Klein kritisiert er den "Kompetenzwahn", aber auch den "Inklusionswahn", dem die Lehrpersonen zunehmend ausgesetzt sind: Immer grössere Klassen mit dem Integrationsproblem (hohe Anteile von Lernenden mit Migrationshintergründen) und dann noch durch die gut gemeinte Auflösung der Sonderschulen je zwei Lernende mit Behinderungen (ich weiss: nicht politisch korrekt, aber treffend). Und auch der Philosoph macht deutlich, wie wichtig gerade in unserer (digitalen) Zeit die Lehrpersonen sind!
 Eine dringende Lektüre, besonders (aber nicht nur) für Bildungspolitiker.

Schon wieder ein Erziehungsbuch! mag manche/r denken! Aber ein dringend notwendiges!

In Zeiten überbordender digitaler "Erziehungsangebote", die die gestressten Eltern entlasten (sollen), zeigt der Autor, worauf es ankommt. Mit klaren Aussagen und Untersuchungsergebnissen wird deutlich, dass wir Kindern mittelfristig nichts Gutes tun, wenn wir sie vor den Herausforderungen des - auch schulischen - Alltags bewahren wollen.

Was heisst Stress bei Jugendlichen, wenn aufs Jahr umgerechnet täglich 3 Schulstunden mindestens 4 Stunden "soziale Netzwerke" gegenüberstehen! Oder wenn der Aktionsradius eines 8-jährigen in vier Generationen von 10 km auf 270 m reduziert wird! 

Anhand vieler solcher Beispiele wird deutlich, worauf es auch heute wirklich ankommt: Mut zur Erziehung (ohne gleich Tiger-Mummy zu sein!)

Der Titel mag/muss irritieren! Und das Inhaltsverzeichnis irritiert zuerst auch. Aber es wird schnell deutlich, dass der Autor Didaktiker der Biowissenschaften seine Gliederung entlang seiner Berufserfahrungen erstellte und seine Beispiele daher stammen.

Es lohnt sich die Beschäftigung mit diesem Buch, denn einerseits ist es mit Ironie und Sarkasmus gewürzt, andererseits legt es gerade dadurch den Finger auf die Wunden des (nicht nur) deutschen Bildungssystems. Jürgen Oelkers sagte einmal sinngemäss: Die Konzentration auf die Kompetenzen zeigt die fehlende Beschäftigung mit Inhalten. Und genau diese gehen an den Schulen verloren.

Als langjähriger Lehrer zeigt Klein, wie sich im Laufe der Jahre die Niveaus der Bildungsabschlüsse nach unten bewegten. Somit sind die Klagen der Hochschulen über fehlende Kenntnisse (Wissen!) entgegen vieler anderslautender Aussagen, doch berechtigt.

Eines der besten Bücher der letzten Jahre zur Gehirnforschung - sehr gut verständlich geschrieben und auf dem allerneuesten Stand der Forschung. Und es fehlt kein wichtiger Bereich! 

Gerade in der jetzigen Zeit mit ihrer teilweise hitzigen Diskussion um die Herausforderungen der fortschreitenden Digitalisierung tut ein ruhiger Blick sehr wohl - ein Blick auf unser wichtigstes Organ, welches noch lange nicht überflüssig werden wird.

Vergessen ist nichts Negatives! Was bringt das iMemory, also das digitale Gedächtnis wirklich? Und natürlich auch einige gute Anleitung zum Training unseres Gedächtnisses.

Ich kann diesem Buch nur viele Leser/innen wünschen!!

Ein faszinierendes Büchlein!

Dennoch: Ich wünschte, dass es nicht hätte geschrieben werden müssen! 

Nicht nur in Zeiten von Trump, der recht häufig vorkommt, generell leben wir in einer Zeit des Umbruchs, auch der Konventionen. Wir wissen nicht so recht, wie wir mit der neuen Öffentlichkeit in Zeiten der sozialen Netzwerke umgehen müssen.

Es ist sozusagen ein Knigge - revisited! Dabei sollte klar sein, dass der "Knigge" alles andere als einfach ein Anstandsbuch war und ist, genauso wenig wie der "Hacke" es sein will.

Ganz toll die eingestreuten Passagen der Diskussionen mit einem Freund, die sozusagen immer eine Art Korrektiv sind.

Auch wenn es besser wäre, wenn es nicht geschrieben hätte werden müssen: Ich wünsche dem schönen Büchlein viele Leser/innen!

Ein faszinierendes Buch des Verfassers von "Eine kurze Geschichte der Menschheit". Beschäftigt sich der Autor in der "kurzen Geschichte" mit der Vergangenheit, so wagt der Historiker in "Homo Deus" eine Geschichte der Gegenwart und der Zukunft. Auch wenn das vielleicht in der Historikerzunft nicht unbedingt goutiert wird, so ermöglicht dies Buch eine fundierte Auseinandersetzung mit den extrem schnellen Veränderungen unserer derzeitigen Gesellschaft.

Auch wenn vielleicht nicht alles so eintreten wird, wie hier dargestellt, so werden die Leser/innen hier gezwungen, sich mit den derzeitigen Trends auseinanderzusetzen. Und die skizzierte nahe Zukunft sieht (leider) nicht sehr rosig aus.

Ein wunderbares Buch, welches in leicht verständlicher Form die neuesten Erkenntnisse der Ornithologie zusammenträgt. Aus Sicht der Gehirnforschung interessant, da wir bisher nur den Rabenvögeln eine höhere Intelligenz zutrauten! Aber unsere gefiederten Freunde haben noch viel mehr zu bieten. Und dann noch für die Spracherwerbsforschung: Ganz starke Parallelen in den Strukturen der Singvogel-Gehirne und unseren! Schon erstaunlich, was mit Gehirnen, die keinen Neocortex aufweisen (darauf haben wir uns für unsere sogenannte Einzigartigkeit berufen!), an kognitiven Leistungen möglich ist.

 

https://www.rowohlt.de/hardcover/jennifer-ackerman-die-genies-der-luefte.html

Ein äusserst interessantes Buch, welches aufzeigt, wie die Jugendlichen, die vor dem Schulabschluss stehen, "tickt". Dabei handelt es sich um eine sehr differenzierte Sichtweise, die nicht einfach in die häufig zu findende negative Kritik verfällt. Es gelten in dieser Generation wieder Werte, die wir schon im Verschwinden geglaubt haben.

 

http://www.wiley-vch.de/de/?option=com_eshop&view=product&isbn=3-527-50807-4

 

Aus Schweizer Perspektive hier eine aktuelle Metastudie zum selben Thema:

http://tripleateam.ch/wp-content/uploads/2016/06/Generation_Z_Metastudie.pdf

Passend zum vorigen Buch ein ebenfalls hoffnungsvolles Buch: Das Sterben der Buchläden und der Plattengeschäfte ist wohl vorbei! Sogar Vinyl-Schallplatten werden - auch von der Generation Z - wieder gekauft. Das Taktile des Analogen ist dem virtuell Digitalen wohl doch überlegen.

 

http://www.residenzverlag.at/?m=30&o=2&id_title=1864